Wärme
Heizlast
Die Leistung, die ein Gebäude am kältesten Auslegungstag braucht, damit es warm bleibt. Sie wird raumweise berechnet und ist die Grundlage für die Grösse des Wärmeerzeugers. Wer sie schätzt statt rechnet, kauft in aller Regel zu gross ein.
Jahresarbeitszahl
Das Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom über ein ganzes Jahr, meist als JAZ abgekürzt. Eine JAZ von 4 heisst: aus einer Kilowattstunde Strom werden vier Kilowattstunden Wärme. Sie ist die einzige Zahl, die etwas über die Betriebskosten einer Wärmepumpe aussagt — der Prüfstandswert COP sagt es nicht.
Takten
Das häufige Ein- und Ausschalten eines Wärmeerzeugers, weil er mehr Leistung hat, als das Gebäude gerade braucht. Jeder Start kostet Effizienz und Lebensdauer. Häufiges Takten ist das typische Symptom einer überdimensionierten Anlage.
Hydraulischer Abgleich
Die Einstellung der Wassermengen, damit jeder Heizkreis genau so viel bekommt, wie er braucht. Ohne ihn werden nahe Räume überversorgt und entfernte zu kalt — und die Vorlauftemperatur muss hochgefahren werden, was die Wärmepumpe teuer macht.
Vorlauftemperatur
Die Temperatur, mit der das Heizwasser zu den Räumen fliesst. Je tiefer sie sein darf, desto effizienter arbeitet eine Wärmepumpe. Deshalb entscheidet die Wahl der Wärmeabgabe — Fussbodenheizung, Radiatoren, Deckenstrahlplatten — mit über die Betriebskosten.
Bivalentes System
Zwei Wärmeerzeuger, die sich ergänzen: etwa eine Wärmepumpe für den Normalbetrieb und ein zweiter Erzeuger für die wenigen sehr kalten Tage. Sinnvoll, wenn die Spitzenlast nur selten auftritt — die Simulation zeigt, wie selten das tatsächlich ist.
Erdwärmesonde
Eine Bohrung, über die dem Untergrund Wärme entzogen wird. Die Tiefe richtet sich nach Baugrund, Bewilligung und Bedarf und reicht von rund 70 Metern bis über 300 Meter; bei geringerer Tiefe werden entsprechend mehr Sonden gesetzt. Wie viel Sondenlänge nötig ist, wird über eine Simulation des Sondenfelds bestimmt — nicht über eine Faustzahl.
Sondenregeneration
Das Zurückführen von Wärme ins Erdreich im Sommer, meist über die Gebäudekühlung. Ohne sie kühlt der Untergrund über die Jahre aus und die Anlage verliert Leistung. Deshalb gehören Heizung und Kühlung bei Erdsonden zusammen geplant.
Bauteilaktivierung
Rohre im Beton von Decke oder Boden, die das Bauteil selbst zum Wärmespeicher machen. Träge, dafür sehr effizient und im Sommer für sanfte Kühlung nutzbar. Die Entscheidung muss früh fallen — sie betrifft die Statik und die Schalung.
Luft
Komfortlüftung
Eine mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung für Wohnräume. In dichten Neubauten ist sie faktisch nötig, weil die Fugenlüftung fehlt und die Raumfeuchte sonst steigt. Bei Labels wie MINERGIE ist sie praktisch Voraussetzung.
Wärmerückgewinnung
Der Wärmetausch zwischen Abluft und Zuluft. Der genannte Rückgewinnungsgrad allein sagt wenig — entscheidend sind Betriebsstunden, Volumenströme und Druckverluste über das ganze Jahr.
Volumenstrom
Die Luftmenge je Zeiteinheit, meist in Kubikmeter pro Stunde. Er bestimmt Kanalquerschnitte und damit den Platzbedarf — und über die Luftgeschwindigkeit auch, wie laut eine Anlage wird.
Nachtauskühlung
Das Durchspülen des Gebäudes mit kühler Nachtluft im Sommer. Wirkt nur, wenn genug Speichermasse vorhanden ist. Wo sie funktioniert, ersetzt sie oft eine Kälteanlage — ob sie reicht, zeigt die stündliche Simulation.
Brandschutzklappe
Ein Absperrelement im Lüftungskanal, das im Brandfall schliesst. Ihre Lage folgt aus dem Brandschutzkonzept und muss früh mit den Trassen abgestimmt werden — nachträglich eingefügte Klappen sind teuer und selten schön.
Integraler Test
Die Prüfung des Zusammenwirkens von Brandmeldeanlage, Brandschutztüren, Brandschutzklappen, Entrauchung und Lüftung im Ernstfall. Wird oft übersehen und ist keine Selbstverständlichkeit im Planungsauftrag — er gehört ausdrücklich vereinbart.
Wasser
Stagnation
Stillstehendes Wasser in Leitungen, die selten genutzt werden. Das ist die häufigste bauliche Ursache für Legionellen. Vermeiden lässt sie sich durch kurze Wege, knappe Querschnitte und den Verzicht auf tote Stränge — nicht durch höhere Temperaturen allein.
Zirkulation
Eine Rückleitung, die warmes Wasser dauernd im Kreis führt, damit es an der Entnahmestelle sofort warm ist. Sie kostet Energie und muss deshalb sauber ausgelegt und hydraulisch abgeglichen werden.
Gleichzeitigkeit
Die Annahme, wie viele Entnahmestellen gleichzeitig benutzt werden. Sie entscheidet über die Rohrquerschnitte. Wer sie zu hoch ansetzt, baut zu grosse Leitungen — und schafft damit genau die Stagnation, die er vermeiden wollte.
Grauwasser
Gering verschmutztes Abwasser aus Dusche und Waschbecken, das nach Aufbereitung für Toilettenspülung oder Bewässerung taugt. Ob es sich lohnt, hängt vom Verhältnis zwischen Anfall und Bedarf ab — das ist eine Rechnung, keine Überzeugungsfrage.
Steigzone
Der vertikale Schacht, durch den Leitungen über die Geschosse geführt werden. Seine Lage muss früh mit der Architektur festgelegt werden. Nachträglich verschobene Schächte sind einer der häufigsten Kostentreiber im Rohbau.
Kälte
Kühllast
Die Leistung, die nötig ist, um einen Raum im Sommer auf Temperatur zu halten. Sie schwankt über den Tag und über die Saison — deshalb sagt eine Spitzenlast allein wenig darüber aus, wie oft und wie lange gekühlt werden muss.
Freecooling
Kühlen ohne Kältemaschine, etwa direkt über eine Erdsonde oder über Aussenluft. Deutlich günstiger im Betrieb, dafür in der Leistung begrenzt. Für Wohnbauten reicht es meist, für Serverräume nicht.
Anergienetz
Ein Leitungsnetz auf niedrigem Temperaturniveau, an dem mehrere Gebäude hängen — die einen entziehen Wärme, die anderen geben welche ab. Interessant überall dort, wo Kühl- und Heizbedarf zeitlich zusammenfallen.
Sommerlicher Wärmeschutz
Die Frage, ob ein Raum ohne Kühlung erträglich bleibt. Beantwortet wird sie über die Zahl der Stunden pro Jahr, in denen die Komfortgrenze überschritten würde — und diese Zahl liefert nur eine dynamische Simulation.
Planung und Modell
BIM
Building Information Modeling — die Planung an einem dreidimensionalen Modell, das neben der Geometrie auch Eigenschaften der Bauteile enthält. Der Nutzen entsteht nicht durch das Modell selbst, sondern dadurch, dass Kollisionen am Bildschirm auffallen statt auf der Baustelle.
IFC
Ein herstellerneutrales Dateiformat für Gebäudemodelle. Es erlaubt den Austausch zwischen unterschiedlicher Software — allerdings nur so gut, wie das Modell strukturiert ist.
Kollisionsprüfung
Der automatische Abgleich der Modelle aller Gewerke auf Überschneidungen. Sie ersetzt nicht die Koordination, macht aber sichtbar, wo noch keine stattgefunden hat.
Dynamische Simulation
Die Berechnung eines Gebäudes über alle 8760 Stunden eines Jahres, mit Klimadaten, Sonneneinstrahlung, Belegung und Speichermasse. Im Unterschied zur statischen Berechnung, die nur einen Auslegungsfall betrachtet, zeigt sie das Verhalten über die Zeit.
Leistungsmodell SIA 112
Die Gliederung eines Bauprojekts in Phasen und Teilphasen — Vorprojekt, Bauprojekt, Bewilligungsverfahren, Ausschreibung, Ausführungsprojekt, Realisierung. Sie ist die Sprache, in der Planungsaufträge beschrieben und verglichen werden.
Kostengenauigkeit
Die zulässige Abweichung einer Kostenangabe, abgestuft nach Planungsfortschritt: Grobkostenschätzung, Kostenschätzung, Kostenvoranschlag. Eine Zahl ohne Angabe der Genauigkeitsstufe ist keine Aussage.
Nachweise
Energienachweis
Der Nachweis, dass ein Bauvorhaben die kantonalen Energievorschriften einhält. Er gehört in aller Regel zum Baugesuch. Formulare und Grenzwerte unterscheiden sich von Kanton zu Kanton.
MuKEn
Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich — die gemeinsame Vorlage, aus der die einzelnen Kantone ihre Energiegesetze ableiten. Deshalb ähneln sich die Anforderungen, sind aber nirgends identisch.
MINERGIE
Ein freiwilliges Schweizer Baustandard-Label mit Anforderungen an Hülle, Lufterneuerung und Energiebedarf. Ob es sich lohnt, ist eine Abwägung zwischen Mehrkosten, Förderung, Vermarktbarkeit und Betriebskosten.
GEAK
Der Gebäudeenergieausweis der Kantone — eine Einstufung des Bestands von A bis G. In der Variante GEAK Plus kommt ein Beratungsbericht mit Sanierungsvarianten dazu.
Energiebezugsfläche
Nach SIA 380/1 die Summe aller ober- und unterirdischen Geschossflächen, die innerhalb der thermischen Gebäudehülle liegen und für deren Nutzung eine Beheizung oder Klimatisierung notwendig ist. Gerechnet wird brutto, also aus den Aussenmassen einschliesslich der umschliessenden Wände — nicht als lichte Raumfläche. Sie ist die Bezugsgrösse fast aller energetischen Kennzahlen und wird häufig mit der Geschossfläche nach SIA 416 verwechselt, die auch unbeheizte Bereiche enthält.
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